Marketing bei den Römern

„Bade gut! Heute zahlst du 1 As, morgen ist es gratis. Eine sichere Sache!“

(CIL VIII 8424)

Eine 2‘000 Jahre alte Verkaufsförderungsmassnahme für eine Badeanstalt im alten Rom.
Bereits die alten Römer kannten den Nutzen gezielten Marketings und wussten um deren Wichtigkeit! 2

So erkannte ein cleverer Gastwirt ein Bedürfnis seiner Zeit, denn es kam schon mal vor, dass Reisende in „falschen“ Herbergen ein- und danach nicht mehr zurückkehrten und setzte es gezielt ein, um seine Wirtschaft hervorzuheben. Entsprechend warb er auf einem gemalten Schild für seine Unterkunft in Lyon mit mehr als nur Speisen und einem Lager für die Nacht:

„Hier verspricht dir Merkur Gewinn, Apollo Gesundheit. Septumanus bereitet dir Speise und Lager. Wer hierher gekommen ist, dem wird es nachher besser gehen. Achte darauf, wo du absteigst, Fremder!“
(CIL XII 2031)

Die grösste Dichte an antiken Werbebotschaften ist heutzutage in Pompeji und Herculaneum, konserviert durch einen Ausbruch des Vesuvs, zu finden und lässt einige Schlüsse über das Werbeverhalten der Römer zu.
Nicht nur Produkte und Leistungen wie von Wirtschaften, Bädern oder Bordellen wurden in Wort und, für den nicht alphabetisierten Teil der Bevölkerung, in Bild beworben1 sondern auch Rabatte, Aktionen oder Alleinstellungsmerkmale wurden an den Eingangspforten und Hauswänden vermerkt.
Heute würde man sagen, Promotion in all seinen Facetten.

Darüber hinaus wurden nachweislich, frei nach dem Motto –  twice make it stick, read it -, absichtlich grammatikalische Fehler in Botschaften eingebaut.

Die Methoden und auch gewisse Inhalte wie „Hier wird eine Truppe Tierkämpfer am 28. August kämpfen und Felix wird gegen die Bären kämpfen.“ (Pompeji | CIL IV 1989) haben sich gewandelt, doch das Wissen und die Mechanismen sind geblieben.

Früher wie heute verkauft DER Händler auf dem Markt seine Produkte, der in’s Auge sticht und Interesse weckt, seine Zielgruppe kennt & anspricht und am Schluss zum Kauf zu überzeugen vermag.

Was wir seit Rom an Überschaubarkeit eingebüsst haben, haben wir an Möglichkeiten und Vielfalt dazugewonnen. Darum reicht aber auch der isoliert dastehende Werbespruch an der Tür heute nicht mehr aus.
Wo Felix dem Bären, hoffentlich mit einem Schwert bewaffnet, begegnete, sehen wir uns heute mit einer Komplexität konfrontiert, der wir als Unternehmen am erfolgsversprechendsten mit einer gut durchdachten Unternehmens- und Marketingstrategie die Stirn bieten.

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Quellen

https://www.tagesspiegel.de/themen/gesundheit/war-die-antike-eine-mediengesellschaft/283326.html

2 https://hiltibold.blogspot.com/2018/06/werbung-im-antiken-rom.html

Bild: Werbeaufschrift auf einem Gebäude in Pompeji; Rekonstruktion, Wikimedia.org